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Aktuelles aus dem Annahospiz

November 2017

Peter Coellen ist seit einem halben Jahr Vorsitzender des Anna Hospizvereins. In die Fußstapfen, die Vorgänger Dr. Hans Dworzak hinterlassen hat, will er gar nicht treten: „Mein Weg ist ein anderer.“

Mühldorf – Draußen ist bestes Golfwetter. Doch Peter Coellen sitzt im dunklen Besprechungsraum des Ärztehauses. Und soll erklären, was nicht so einfach zu erklären ist: Warum er dieses Amt übernommen hat.

Der Vorsitz im Anna Hospizverein ist schließlich nicht irgendein Amt. Weil es auch nicht irgendein Verein ist. Es geht um Sterben, Tod und Trauer. Es geht um das Nebeneinander von Haupt- und Ehrenamt, um über 2000 Mitglieder. Und es geht um das Erbe von Dr. Hans Dworzak, der den Hospizverein aus dem Nichts aufgebaut und über Jahrzehnte geprägt hat. „Die Fußstapfen, die er hinterlassen hat, sind riesig. Da passt niemand hi nein“, weiß Coellen. „Und deshalb will ich es auch gar nicht versuchen.“

Damit liegt er auf einer Linie mit Geschäftsführer Josef Hell: „Es war klar, dass mit dem Ausscheiden von Hans Dworzak eine große Lücke entsteht. Deshalb haben wir nach Kandidaten gesucht, die anders sind; die nicht automatisch in der Pflicht sind, diese Lücke zu füllen.“

Es ist kein Geheimnis, dass die Kandidatensuche ein schwieriges Unterfangen war. Und dass – wie Hell es ausdrückt – mancher Wunschnachfolger aus „Angst vor dem ewigen Vergleich“ mit Dworzak abgesagt hat. Diese Angst hat Peter Coellen nicht. „Ich bin kein zweiter Dworzak. Kann und will es auch gar nicht sein. Mein Weg ist ein anderer.“

Anders ist der 66-Jährige schon deshalb, weil er kein Mediziner ist – wie Hell oder eben Dworzak. Geboren und aufgewachsen im Schwarzwald, absolvierte Coellen eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Mein Onkel legte mir als Anhänger der anthroposophischen Lehre die soziale Arbeit ans Herz. Also ging ich als 20-Jähriger für zwei Jahre in eine Behinderteneinrichtung nach Südafrika.“ Zurückgekehrt, studierte er in Freiburg Sozialpädagogik und war als Sozialarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. „So gesehen schließt sich der Lebenskreis: Mit Kindern und Jugendlichen fing es an, nun endet es beim Hospizverein.“

Dazwischen liegt ein erfülltes Berufsleben, das ihn Kliniken und Senioreneinrichtungen im Schwarzwald, am Bodensee und in Waldkraiburg leiten ließ. Dort war der Vater einer 33-jährigen Tochter und eines 30-jährigen Sohnes von 2012 bis 2015 Leiter des Seniorenzentrums St. Mechthild und kam so erstmals in Kontakt mit dem Anna Hospizverein. „Ich hätte dort gerne eine stationäre Hospizeinrichtung in Kooperation mit dem Verein installiert.“ Am Ende ist aus den Plänen nichts geworden, der Träger lehnte das Projekt ab.

Dennoch: „Es hat uns damals durchaus imponiert, dass der Leiter einer Senioreneinrichtung auf uns zukommt und Interesse an der Hospizarbeit zeigt. Meistens müssen wir den ersten Schritt machen“, erinnert sich Josef Hell. Und dann gibt es da noch die Geschichte mit dem Rasenmäher: Als der Hausmeister von St. Mechthild krank war, erledigte Geschäftsführer Coellen die Gartenarbeit. „Meine Hospizhelferinnen haben ihn beim Rasenmähen gesehen, die Geschichte machte bei uns die Runde.“

So wurde Coellen, der mit seiner Frau in Töging lebt, trotz seines niedrigen Bekanntheitsgrades zu einem Kandidaten für den Vorsitz. Als einer, der in der Not auch konkret mit anpackt; als einer, der Bilanzen lesen kann; als einer, der Leitungserfahrung mitbringt. „Und als einer, der dennoch so anders ist als der Hans, dass jeder Vergleich hinkt“, sagt Hell.

Peter Coellen will sich raushalten aus der inhaltlichen Arbeit der Geschäftsleitung (siehe Infokasten): „Dieses Team gestaltet. Und der Vorstand begleitet. Was nicht heißen soll, dass wir keine Fragen stellen oder keinen wachsamen Blick auf die Finanzen haben.“ Aufsicht und Repräsentation: „Das sind meine Aufgaben.“

Nach einem halben Jahr im Amt eine erste Zwischenbilanz? „Ich spüre die Erwartungshaltung, noch präsenter zu sein. Und kann doch nicht jeden Termin zusagen.“ Was aber auch kein Problem sei: „Dafür sind wir auch im Vorstand ein Team.“ Zugleich sei er überrascht, mit welcher Aktivität und Lebendigkeit im Verein gearbeitet werde. „Und das, obwohl sich alle mit dem Tod beschäftigen. Das berührt mich sehr.“

Quelle: OVB, 26.10.2017